Im Nachgang zur #Unteilbar-Demo…

…zitiert mich Peter Nowak bei Telepolis mit den Worten:

„Von den Redebeiträgen, die ich hörte, war keiner auf der Linie von kapitalistischem diversity management; mehrere Redebeiträge sprachen sich explizit gegen Neoliberalismus und Hartz IV-Gesetzgebung aus; die Ryanair-Kolleginnen und -kollegen redeten sowohl bei der Auftakt- als auch der Abschlusskundgebung und betonten dabei auch die Gemeinsamkeit von Flugbegleitern und begleiterinnen und -kapitänen [Letzteres war eigentlich auch gegendert]. In mindestens einem Redebeitrag kam ‚kapitalistische Verwertungslogik‘ kritisch vor; mehrere Redebeiträge thematisierten europäischen Kolonialismus und Waffenexporte als Fluchtursachen.“

https://www.heise.de/tp/features/Unteilbar-und-der-progressive-Neoliberalismus-4190496.html

In dem unveröffentlichten Demobericht, aus dem zu zitieren ich erlaubte, stand außerdem:

„Zumindest dieser Demo kann nicht vorgeworfen werden, daß klare antirassistische und (pro-)feministischer Positionen zu Kuschelei mit der neoliberalen (Post)Modernisierung des Kapitalismus führen – […]“ –

Und nachdem ich hier nun eh schon schreibe – noch eine Anmerkung zu dem Wagenknecht-Zitat, in dem sie sich auf Nancy Fraser beruft, in Peters Artikel:

1. Zu Fraser hatte ich mich im vergangenen Jahr bereits geäußert:

Worin Nancy Fra­ser wei­ter­hin irrt

Aner­ken­nungs­po­li­tik ver­sus Umver­tei­lungs­po­li­tik?

Anmer­kun­gen zur neue­ren Debatte über Femi­nis­mus und Anti­ka­pi­ta­lis­mus

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1052065.worin-nancy-fraser-weiterhin-irrt.html

2. @ Wagenknecht: „Er [der Begriff „progressiver Neoliberalismus“] beschreibt Politiker, die die sozialen Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten mit Füßen treten und den Sozialstaat zerstören, zugleich aber für progressive liberale Forderungen eintreten – in den USA ist Hillary Clinton ein Beispiel dafür.“

Auch falls „den Sozialstaat zerstören“ zutrifft, bleibt doch mindestens noch die Frage, ob das Zweitere („für progressive liberale Forderungen eintreten“ – im von Wagenknecht gemeinten Sinne [Forderungen von Homos, Frauen, Trans* und Schwarzen etc.]) deshalb falsch wird. M.E. ist diese zweite Frage zu verneinen, während Wagenknecht sie im hier in Rede stehenden Zitat umschifft; andere ihrer Äußerungen aber so verstehbar sind, als bejahe sie diese zweite Frage.

3. @ Wagenknecht: „Sie [Clinton] verkörpert einerseits eine korrupte, von der Wall Street gekaufte Politikerin, der das Schicksal der Ärmeren gleichgültig ist, damit natürlich auch das Schicksal der armen Homosexuellen oder der armen Latinos und Farbigen in den USA. Andererseits gibt sie sich als Vorkämpferin von Gleichstellung und Antidiskriminierung.“

Auch wenn Halbsatz 2 ff. weder homophob noch rassistisch sind, ist doch „korrupt“ und „gekauft“ zumindest kein elaborierte Antikapitalismus

4. @ Wagenknecht: „Homosexuelle sind genauso von Hartz 4, Niedriglöhnen und Altersarmut betroffen wie alle anderen auch. Auch für sie hat sich die Ungleichheit vergrößert.“

Homos, Frauen und Schwarze haben aber – außer, daß auch die allermeisten Angehörigen dieser gesellschaftlichen Gruppen Lohnabhängige sind (vermutlich sogar noch ein größerer Anteil als unter den weißen, heterosexuellen Cis-Männern) – auch noch einige ‚kleine‘ andere Ärgernisse am Hals…

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