Was zu einem anderen Fall zu sagen ist

SCHWEDEN

Eine Frau, die mit einem Vergewaltigungsvorwurf die inzwischen eingestellten Ermittlungen gegen Julian Assange in Schweden ausgelöst hatte, will, dass der Fall nach seiner Festnahme neu aufgerollt wird. Ihre Anwältin beantragte am Donnerstag, dass die Vorermittlungen wieder aufgenommen werden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft. Bis wann darüber entschieden werde, sei noch nicht absehbar, sagte die stellvertretende Generalstaatsanwältin Eva-Marie Persson. Grundsätzlich könne eine vorläufige Untersuchung wieder aufgenommen werden, solange der Tatverdacht nicht verjährt ist. In dem Fall, also dem Tatverdacht der Vergewaltigung, laufe die Frist Mitte August 2020 ab.

https://www.tagesspiegel.de/politik/assange-zwischen-allen-staaten-wikileaks-gruender-kaempft-gegen-seine-auslieferung/24215678.html

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Ein Kommentar zu Was zu einem anderen Fall zu sagen ist

  1. Erstens:

    Siehe:

    Schweden nimmt Untersuchungen gegen Assange wieder auf
    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/schweden-nimmt-untersuchungen-gegen-julian-assange-wieder-auf-16184718.html

    Zweitens:

    @ (aus dem genannten Artikel):

    Die Frau wirft dem 47 Jahre alten Assange vor, er habe sie während eines Besuchs in dem skandinavischen Land 2010 vergewaltigt. Assange streitet das ab.

    …noch einmal zur zur Erinnerung:

    Die nicht-einvernehmliche Nicht-Verwendung von Kondomen wurde von Assanges Anwalt später in dem britischen Auslieferungsverfahren bestätigt: Weil die eine Frau ‚die Sache’, die dadurch aus dem Schlaf geweckt wurde, über sich ergehen ließ, und das Widerstreben der anderen dazu führte, daß sich Assange schließlich ein Kondom überzog und der weitere Sex dann einvernehmlich stattfand, soll es nach britischen Recht aber keine Vergewaltigung, sondern einvernehmlich gewesen sein – so die juristische Argumentation dieses Anwaltes. (Daß es sich sehr wohl jedenfalls nach schwedischem Recht um Vergewaltigungen handelte, ist nach dieser Argumentation des Anwaltes nicht bestritten.)

    In Bezug auf den ersten Fall sagte, der Anwalt laut Guardian, daß „she woke up by his penetrating her“ / „sie wachte dadurch auf, daß er sie penetrierte“. Sie habe dann umgehend gefragt (was ja, wohl nur als Zeichen des Erstreckens gedeutet werden kann), „if he was wearing anything. He answered: ‚You.’“ Und dann fügte sie sich in die Situation, indem sie sagte: „You better not have HIV.“ Interpretation des Anwalts: „She may have been upset, but she clearly consented to its [the sexual encounter’s] continuation and that is a central consideration.“ / „Möglicherweise war sie aufgebracht [bestürzt], aber sie stimmte der Fortsetzung [des Geschlechtsverkehr] zu, und dies ist der zentrale Gesichtspunkt.“

    Und in Bezug auf den zweiten Fall sagte der Anwalt: „Die körperlichen Avancen des Beschwerdeführers [gegen den Auslieferungsantrag, also Assange] wurde anfangs willkommen geheißen, aber dann wurde es unangenehm, weil er ‚roh und ungeduldig’ war … Sie lagen im Bett. AA [Die Anzeigende] lag auf dem Rücken und Assange lag über ihr … AA spürte, daß Assange versuchte, seinen Penis direkt [gleich / geradewegs] in ihre Vagina zu stecken, was sie nicht wollte, da er kein Kondom trug. … Sie sprach dies nicht aus. Statt dessen versuchte sie, ihre Hüften zu drehen und presste ihre Beine zusammen, um eine Penetration zu vermeiden. … AA versucht mehrfach ein Kondom zu erreichen, was Assange dadurch unterband, daß er ihre Arme festhielt und ihre Beine auseinander drückte; er versuchte, sie mit seinem Penis ohne Kondom zu penetrieren. […]. Aber entscheidend sei, so [Rechtsanwalt] Emmerson, daß es nicht in ausreichendem Maße an Konsens [Einvernehmlichkeit] fehlte, um ungesetzlichen Zwang zu bejahen. Denn ‚nach einer Weile fragte Assange AA, was sie denn da mache und warum sie ihre Beine zusammenpresse. AA sagte ihm, daß sie möchte, daß er ein Kondom überzieht, bevor er in sie eindringe. Assange ließ ihre Arme los und zog sich ein Kondom über, das AA ihm gab.’“[25]

    Und dann fügte der Anwalt noch hinzu: Nichts von dem, was er sage,

    solle „challenge whether they felt Assange’s conduct was disrespectful, discourteous, disturbing or even pushing at the boundaries of what they felt comfortable with.

    • D.h.: Nichts davon solle „bezweifeln, daß sie [die beiden Anzeigen erstattenden Frauen] Assanges Verhalten als geringschätzig, unhöflich und verstörend empfanden und sogar die Grenzen dessen, womit sie sich wohlfühlten, verdrängte.“

    Was auch immer dieser vage Satz ausdrückten soll (vielleicht ein moralisches, aber nicht juristisches Schuldeingeständnis) – auf alle Fälle schließt er eine Falschbeschuldigung aus Rache (für ganz andere Dinge) und ein Regierungskomplott aus.[26] Es wird ganz klar zugegeben: Es gab Sex, und er verlief nicht nach den Vorstellungen der Frauen.

    [25] meine Übersetzung und meine Hervorhebungen. Englisches Original im Guardian: „The appellant [Assange]’s physical advances were initially welcomed but then it felt awkward since he was ‚rough and impatient’ … They lay down in bed. AA was lying on her back and Assange was on top of her … AA felt that Assange wanted to insert his penis into her vagina directly, which she did not want since he was not wearing a condom … She did not articulate this. Instead she therefore tried to turn her hips and squeeze her legs together in order to avoid a penetration … AA tried several times to reach for a condom, which Assange had stopped her from doing by holding her arms and bending her legs open and trying to penetrate her with his penis without using a condom. AA says that she felt about to cry since she was held down and could not reach a condom and felt this could end badly. But crucially, Emmerson said, there was no lack of consent sufficient for the unlawful coercion allegation, because ‚after a while Assange asked what AA was doing and why she was squeezing her legs together. AA told him that she wanted him to put a condom on before he entered her. Assange let go of AA’s arms and put on a condom which AA found her.’“ (http://www.theguardian.com/media/2011/jul/12/julian-assange-extradition-live-coverage)

    [26] „At a minimum, such language would seem to preclude two of the defenses that have previously been offered by Assange defenders — that the complainants were merely spurned lovers or government plants concocting fantastical stories for their own purposes.“ (studentactivism.net/2011/07/12/assange-lawyer-concedes/)

    http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=54665&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=c4fdc101c0 (Kasten „Einige Fakten über den Fall Assange“, Punkt Nr. 7)

    Drittens:

    Siehe auch noch einmal:

    In was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn Assange nicht als Vergewaltiger gilt? (v. 24.08.2012)
    maedchenmannschaft.net/in-was-fuer-einer-welt-leben-wir-eigentlich-wenn-assange-nicht-als-vergewaltiger-gilt/

    —–

    Und für diejenigen, denen es nicht eh klar ist:

    Vergewaltigung ist keine Meinung.

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